Artificial Intelligence – das Streben nach göttlicher Vollkommenheit


Das Streben nach Künstlichkeit und nach virtueller Perfektion ist religiös geprägt, denn auch in den traditionellen Glaubenslehren geht es darum, den Menschen mit einem moralischen Ideal zu konfrontieren, dem er in Wirklichkeit nicht entsprechen kann. Diese Fehlbarkeit wird ihm verdeutlicht, wenn in den Geboten oder Moralvorstellungen der Kirchen Ansprüche formuliert sind, die dem Menschen nicht angeboren sind. So wird im zehnten Gebot in der Bibel gefordert: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.“[1]Aber ist Neid nicht ein elementares menschliches Gefühl? In vielen Religionen, vor allem aber in der katholischen Kirche wird Unkeuschheit als Sünde gesehen. Unkeuschheit ist dort definiert als ein „ungeregelter Genuss der geschlechtlichen Lust oder ein ungeordnetes Verlangen nach ihr“.[2]Diese Sünde zu vermeiden, ist für die meisten Menschen ein schwer oder sogar unmöglich zu erreichender – und damit künstlicher – Zustand.

Gott hingegen ist unfehlbar, perfekt, eben göttlich, und der Mensch will diesem Ideal möglichst nahekommen und damit auch Gott nahe sein. Nur in der virtuellen und in einer vollkommen künstlichen Welt ist der ideale und göttliche Zustand erreichbar.

So verwundert es nicht, dass immer mehr Menschen auf künstliche Intelligenz hoffen, auf Roboter, die die Fehler und Unzulänglichkeiten der Menschen beseitigen. Artificial Intelligence ist das neue Göttliche, das den Menschen in seiner Fehlbarkeit abschaltet. So wird geglaubt, dass die künstliche Intelligenz die Kriminalität reduziert, da Verbrechen mittels der göttlichen Technologie nun vorhersehbar sind, so wie auch die Armut in der Welt dank eines digitalen Superhirns abgeschafft werden kann und die Unfälle auf Straßen durch intelligente selbst fahrende Autos reduziert werden können. Der Mensch macht Fehler, die göttliche Maschine nicht.


[1]2. Mose 20,17.

[2]Deininger (09.10.2014).

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Über diesen Blog

Google, Apple, Facebook und Co. sind nicht nur Teil unseres Alltags, viel mehr noch: es sind die Kirchen der digitalen Neuzeit und wir ihre Gläubigen. Errichtet sind die virtuellen Gotteshäuser auf dem Glauben an eine digitale Welt, der unserer überforderten Informationsgesellschaft Sinn und Hoffnung verleiht. 

Die Unternehmensgründer aus dem Silicon Valley sind in der neuen Religion die Propheten, Marken die modernen religiösen Symbole, User von Instagram die heiligen Ikonen und die Garagen in Palo Alto sind mythische Orten an denen Wunder geschahen.  Technologiekritik ist daher fehl am Platze, denn die Kirchenmauern sind aus dem Glauben an eine berechenbare, vorhersagbare und so letzten Endes kontrollierbare Welt erbaut. Entfliehen kann man dieser Ideologie daher auch nicht durch Ausschalten des Handys oder durch digitale Fastenzeiten, sondern nur durch die Aufklärung darüber, dass sich das Leben und unsere Realität einer „Digitalisierung“ entziehen.


 

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