Das beste Geschäft aller Zeiten – Konformes Verhalten gegen Erlös(ung)


Tauschen ist Religion. Auf diese einfache Formel können die großen Weltreligionen reduziert werden. Aber was wird denn in den Glaubensgemeinschaften getauscht? Der Gläubige tauscht sein konformes Verhalten im Diesseits gegen Erlösung durch Gott im Jenseits.

Religion hat dabei eines der besten und stabilsten Tauschgeschäfte aller Zeiten etabliert, denn der Tausch bezieht sich immer auf eine jenseitige Sphäre, die weder dem Bewusstsein noch der Physis des Gläubigen zugänglich ist. Erlösung ja, aber nicht jetzt, nicht hier, nicht heute. Da der Mensch selbst diese Sphäre in seiner menschlichen Hülle nicht betreten kann, muss er glauben, dass sein Verhalten im Diesseits im Jenseits belohnt oder bestraft werden wird. Medien, also etwas, was zwischen den Welten steht, zum Beispiel Propheten und durch Gott auserwählte Stellvertreter auf Erden, sind die Instanzen, die die Leitlinien aus dem Jenseits erhalten und den Menschen übermitteln und damit vorgeben, wie sich die Menschen zu verhalten haben.

Sofern der fromme Mensch nun glaubt, dass sein Handeln eine Konsequenz haben wird, er selbst aber die Konsequenz nicht direkt überprüfen kann, entsteht eine große Unsicherheit in Bezug auf sein eigenes Verhalten. Religionsgemeinschaften geben dem Einzelnen daher Richtlinien an die Hand, die ihm mittels Gebote und Verbote helfen, sein Leben zu strukturieren. Dadurch wird er von der Last der eigenen Entscheidung befreit und erhält die Sicherheit, tatsächlich auf dem richtigen Pfad zu sein, sodass Erlösung möglich ist.

Papst Benedikt XVI. wies darauf hin, dass das Christentum ein Tausch zwischen Gott und den Menschen darstelle, bei dem beide – also Gott und Gläubiger – jeweils Gebende und Nehmende, Schenkende und Empfangende seien.

Am besten trägt dieses Konzept dann, wenn ein gewisses Maß an Unsicherheit bestehen bleibt, sodass das eigene Streben nach Erlösung im Diesseits nie ganz befriedigt werden kann.

Wirtschaft ist ebenfalls ein Tauschgeschäft, bei denen bisher meist überprüfbare Leistungen ausgetauscht wurden. In der modernen Ökonomie ist das Standardtauschgeschäft „Ware gegen Erlös“, und Erlös ist Geld.



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Über diesen Blog

Google, Apple, Facebook und Co. sind nicht nur Teil unseres Alltags, viel mehr noch: es sind die Kirchen der digitalen Neuzeit und wir ihre Gläubigen. Errichtet sind die virtuellen Gotteshäuser auf dem Glauben an eine digitale Welt, der unserer überforderten Informationsgesellschaft Sinn und Hoffnung verleiht. 

Die Unternehmensgründer aus dem Silicon Valley sind in der neuen Religion die Propheten, Marken die modernen religiösen Symbole, User von Instagram die heiligen Ikonen und die Garagen in Palo Alto sind mythische Orten an denen Wunder geschahen.  Technologiekritik ist daher fehl am Platze, denn die Kirchenmauern sind aus dem Glauben an eine berechenbare, vorhersagbare und so letzten Endes kontrollierbare Welt erbaut. Entfliehen kann man dieser Ideologie daher auch nicht durch Ausschalten des Handys oder durch digitale Fastenzeiten, sondern nur durch die Aufklärung darüber, dass sich das Leben und unsere Realität einer „Digitalisierung“ entziehen.


 

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