Von der Cloud da komm ich her - digitales Weihnachten

Aktualisiert: 22. Dez 2019


Als ich klein war, wurden vor dem Heiligen Abend die Türen zum Zimmer, in dem der Weihnachtsbaum stand, geschlossen.

„Warum?“ fragte ich.

„Weil das Christkind dann die Geschenke bringt und man es dabei nicht stören darf.“

Ich habe das Christkind nie gesehen, so wie auch niemand den Weihnachtsmann je gesehen hat, der abends durch den Kamin kommt, damit die Kinder am Morgen des 25.12 die Geschenke vorfinden.

Das Christkind und der Weihnachtsmann sind virtuell, man kann sich nicht sehen und nicht greifen, aber dennoch sind sie da.

Und man kann beiden Schreiben und die Wünsche an einen virtuellen Ort senden, den wiederum kein Mensch je betreten hat noch es jemals kann.

Ist Weihnachten also virtuell und der Ort wo der Weihnachtsmann wohnt das Internet – oder die Cloud? Und ist die Wunschliste nicht schon immer eigentlich eine Whishlist gewesen, die heute nicht nach Engelskirchen oder Himmelspforten per Post verschickt, sondern per Whatsapp in die Cloud hochgeladen wird? Und kommen die Geschenke nicht aus dem sagenumwobenen Land Amazonien zu uns und nicht vom Geschäft neben an?

Und bald schon kommt der Weihnachtsmann dann auch wirklich durch den Kamin, nur als Drohne verkleidet, um die Geschenke unter den Baum zu legen, der auch nur noch ein Hologramm ist.

Weihnachten war schon immer virtuell jetzt eben richtig

Also dann

„Frohe Weihnachten“





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Über diesen Blog

Google, Apple, Facebook und Co. sind nicht nur Teil unseres Alltags, viel mehr noch: es sind die Kirchen der digitalen Neuzeit und wir ihre Gläubigen. Errichtet sind die virtuellen Gotteshäuser auf dem Glauben an eine digitale Welt, der unserer überforderten Informationsgesellschaft Sinn und Hoffnung verleiht. 

Die Unternehmensgründer aus dem Silicon Valley sind in der neuen Religion die Propheten, Marken die modernen religiösen Symbole, User von Instagram die heiligen Ikonen und die Garagen in Palo Alto sind mythische Orten an denen Wunder geschahen.  Technologiekritik ist daher fehl am Platze, denn die Kirchenmauern sind aus dem Glauben an eine berechenbare, vorhersagbare und so letzten Endes kontrollierbare Welt erbaut. Entfliehen kann man dieser Ideologie daher auch nicht durch Ausschalten des Handys oder durch digitale Fastenzeiten, sondern nur durch die Aufklärung darüber, dass sich das Leben und unsere Realität einer „Digitalisierung“ entziehen.


 

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