Walk this way – die Sinnsuche von Jobs und Co.

Aktualisiert: 30. Nov 2018



Ist der Glaube an die spirituelle Bedeutung der digitalen Technologie von den Unternehmenslenkern des Silicon Valley eigentlich gespielt oder ist es tatsächlich ihr „Glaube“? Es gibt anscheinend eine Verbindung zwischen der individuellen Sinnsuche der Gründer von Apple, Facebook und Google und ihrem Glauben, dass sich diese Sinnsuche tatsächlich in der Entwicklung neuer Technologien ausdrückt bzw. ausdrücken lässt. Hierbei spielt vor allem die Hippiebewegung der Bay Area (so wird die Region rund um San Francisco genannt, zu der auch Palo Alto und Cupertino gezählt werden) in den 70er Jahren eine wichtige Rolle. Großen Einfluss wiederum auf das Weltbild der Hippiecommunity, zu der sich auch Steve Jobs zählte, hatten die Lehren des ehemaligen Harvard-Professors Richard Alpert. Dieser wurde 1963 aus Harvard entlassen, nachdem er (zusammen mit dem Entdecker von LSD, Timothy Leary) umstrittene Untersuchungen zur Wirkung von LSD durchgeführt hatte. Nach seiner Entlassung reiste Alpert 1967 nach Indien, konvertierte dort zum Hinduismus und lehrte fortan als Guru Ram Dass, was übersetzt „Diener Gottes“ bedeutet, die Glaubensgrundsätze seines Gurus Neem Karoli Baba. Ein auf dessen Philosophie und dessen religiöser Weltanschauung basierendes, 1971 von Alpert veröffentlichtes Buch mit dem Titel „Be Here Now“ avancierte zu einem Kultbuch in der Hippieszene von San Francisco. Auch Steve Jobs war davon fasziniert. Er wollte daher zu dem Ort reisen, an dem Baba und Ram Dass lebten und lehrten. Für ihn ergab sich diese Gelegenheit, als er 1974 von seinem damaligen Arbeitgeber ATARI (einem 1972 gegründeten Unterhaltungselektronik-Unternehmen für Videospiele) beruflich nach Deutschland geschickt wurde. Von da aus reiste er weiter nach Indien, um das Ashram zu besuchen und eventuell dort zu bleiben. Während seines Aufenthaltes im Ashram erkannte er allerdings, dass es nicht nur darum ging, Erleuchtung für sich zu finden und über Spiritualität, Barmherzigkeit und Erleuchtung zu predigen. Vielmehr muss die gepredigte Weltverbesserung auch in Produkte implementiert werden. Er erkannte, dass große Ideen ohne technologische Umsetzung ebenso sinnlos sind wie Produkte ohne spirituelle Aufladung. Steve Jobs wurde klar, „dass Thomas Edison vielleicht viel mehr getan hat, um die Welt zu verbessern, als Karl Marx und Neem Karoli Baba zusammen“. Technologie verband er mit Spiritualität. Insofern war Steve Jobs vielleicht wichtigste Innovation nicht der iPod oder das iPhone, sondern die Verbindung von Sinnsuche und Weltverbesserung mit der digitalen Technologie. Diese Beseelung der Technologie hatte man so bisher nicht gekannt, und damit scheint er eine ganze Generation von Informatikern, Hackern und Unternehmensgründer in der Bay Area beeinflusst zu haben. So auch Mark Zuckerberg, für den Steve Jobs ein Mentor war.

Als sich nach der ersten rasanten Entwicklungsphase von Facebook Rückschläge einstellten und Mark Zuckerberg ein Kaufangebot für Facebook erhielt, war er nach eigener Aussage unentschlossen, was er tun soll. Daraufhin befolgte er den Ratschlag von Steve Jobs, der ihm empfahl, ebenfalls das Kainchi Ashram zu besuchen, um dort zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Die Zeit dort soll Zuckerberg schließlich geholfen haben, die Entscheidung zu treffen, das Unternehmen nicht zu verkaufen, sondern eine Firmenphilosophie zu entwickeln, die über die bloße Entwicklung und den Betrieb einer Online Community hinausgehen sollte. Auch er kam im Ashram angeblich zu der Erkenntnis, dass es bei Facebook um mehr geht als um Software und um eine Community. In einem Interview äußerte er: „Dort habe ich gesehen, wie sehr viel besser die Welt wäre, wenn sich die Menschen verbinden könnten. Das hat mich wieder daran erinnert, wie wichtig das ist, was bei Facebook machen.“ Technologie ist realisierte Ideologie.

Auch Larry Page und Jeffrey Skoll, Co-Founder von eBay, besuchten das Ashram. Und Larry Brilliant, der heutige Chef von Google.org meinte, dass „jeder auf der Welt diesen Ort besuchen sollte“.

Die Gründer der weltweit bekannten Firmen Apple, Facebook Google und Co. sind also tatsächlich überzeugt von der Allmacht der Technik und der Möglichkeit, Frieden, Gesundheit und Glück für alle Menschen durch ihr Handeln zu schaffen. Insofern gibt es einen religiös-ideologischen Überbau für ihr irdisch-unternehmerisches Handeln.


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Über diesen Blog

Google, Apple, Facebook und Co. sind nicht nur Teil unseres Alltags, viel mehr noch: es sind die Kirchen der digitalen Neuzeit und wir ihre Gläubigen. Errichtet sind die virtuellen Gotteshäuser auf dem Glauben an eine digitale Welt, der unserer überforderten Informationsgesellschaft Sinn und Hoffnung verleiht. 

Die Unternehmensgründer aus dem Silicon Valley sind in der neuen Religion die Propheten, Marken die modernen religiösen Symbole, User von Instagram die heiligen Ikonen und die Garagen in Palo Alto sind mythische Orten an denen Wunder geschahen.  Technologiekritik ist daher fehl am Platze, denn die Kirchenmauern sind aus dem Glauben an eine berechenbare, vorhersagbare und so letzten Endes kontrollierbare Welt erbaut. Entfliehen kann man dieser Ideologie daher auch nicht durch Ausschalten des Handys oder durch digitale Fastenzeiten, sondern nur durch die Aufklärung darüber, dass sich das Leben und unsere Realität einer „Digitalisierung“ entziehen.


 

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